handbemalte Keramiken erschafft man mit Engoben und einer ruhigen Hand

handbemalte Keramiken erschafft man mit Engoben und einer ruhigen Hand

07.05.2020 - Kategorien: Allgemein

Zeichnen und malen begleitet uns Menschen schon lange vor der Steinzeit. Es begann alles mit ein bisschen Kohle und einer Felswand. Die ältesten Zeichnungen in Europa finden sich in der spanischen El-Castillo-Höhle und der dem eingestürzten Abri Castanet in Frankreich, beide sind jeweils ca. 40.000 Jahre alt. Die weltweit Ältesten sind in der Höhle von Leang Bulu’ Sipong (Indonesien) zu finden und sind mindestens 43.900 Jahre alt. Sie zeigen die damaligen in der näheren Umgebung des Menschen lebenden Lebewesen, Wollnashörner und Mammuts, im wärmeren Afrika eher Giraffen und Gazellen. Sie bieten Paläontologen bis heute einmalige Einblicke in die damalige Fauna. Irgendwann standen unsere Vorfahren jedoch vor einem Problem: Die Höhlenwände sind voll und Kohle geht schlecht ab. Verständlicher Weise kann man nicht dauernd umziehen, nur weil der Lütte alles vollgemalt hat. Mit der Zeit kam Ton ins Leben der Menschen und mit dem Ton kam Keramik und die Keramikmalerei. Handbemalte Keramik findet sich rund um den Globus und ab dann auch in jeder Entwicklungsepoche der Menschheit.
Während Kohle und andere Materialien wie Milch, Blut, Kalkstein oder Pflanzenharz sehr gut für Wände und Decken geeignet sind, braucht es bei handbemalter Keramik eine hitzebeständige Farbe. Die die Keramiken werden schließlich bei rund 600 °C im Lagerfeuer gebrannt. Die ersten Farbkörper, die Verwendung fanden, waren Eisenoxide, Braunstein (Manganoxid) und Engoben. Die Eisenoxide und das Mangan war schwer zu finden und zu wertvoll, um Gebrauchskeramik damit zu verzieren. Engoben hingegen sind im Überfluss vorhanden. Bei Engobe handelt es sich um eine dickflüssige Tonsuspension, also einfachen Tonschlicker. Da Ton das Abbauprodukt von Gestein und Fels ist, gibt es ihn verständlicher Weise in unterschiedlichsten erdigen Farben. Ein Gefäß, welches aus bspw. roten Ton besteht, wird einfach mit weißem Ton bemalt und auf diese Weise ganz bezaubernd akzentuiert und aufgewertet. Handbemalte Keramik hatte nicht nur ästhetische Gründe, auch aus praktischen Gründen wurden Keramiken bemalt. Beispielsweise wurde in der Hallstattzeit bzw. Älteren Eisenzeit (weiten Teilen Europas ab etwa 800 v. Chr.) eine graphitierte Engobe auf das Tongefäß aufgetragen, um ihm ein metallisches Aussehen zu verleihen. Später, in der römischen Antike wurden die handbemalten Keramiken immer detaillierter, versierter und vor allem immer feiner. Es wurde auch nicht mehr mit den Fingern gemalt oder die Farbe auf die Oberfläche gepustet, Pinsel und anderes Zeichengerät wie das Malhörnchen wurden erfunden und immer weiterentwickelt. Die Engobemalerei wurde dann von den Minoern auf Kreta zur Perfektion gebracht, irgendwann im 4. Jahrhunderts vor Christus.
Diese Zeichentechniken für handhandbemalte Keramik hat bis heute überdauert und wird von vielen Menschen mit dem jetzigen Ungarn, Bulgarien und Rumänien verbunden. Dabei werden die Engoben auf die geschrühten Keramiken aufgetragen und verlaufen ineinander. Von echter handbemalter Keramik kann man so wahrscheinlich nicht sprechen, schließlich macht die Schwerkraft die ganze Arbeit. Im klassischen versteht man unter handbemalter Keramik wahrscheinlich das, was heutzutage als Miniaturmalerei bekannt ist und im Mittelalter aufkam. Dabei werden auf kleine (keramische) Oberflächen wie Döslein, Broschen und ähnlichem mit einem feinen Pinsel und einer Lupe Porträts, Stillleben und Landschaften mit der Hand aufmalt. Bis heute hat sich dieser Zweig der Kunst gehalten und ist bis heute weit verbreitet auf Gebrauchskeramik, meist jedoch auf Porzellan. Die Hochburgen dieser Malerei sind in Deutschland in Dresden und Kahla zu finden.
Handbemalte Keramik ist eines gemein: Engoben und Oxide einhalten nur sehr wenig Silikat. Das bedeutet, dass sie nach dem Brand noch matt sind und sich unangenehm rau anfassen. Sie müssen noch glasiert werden und dies verleiht handbemalter Keramik den letzten Schliff. Es kommt bei handbemalter Keramik vieles zusammen, auch die Oberfläche spielt eine ernstzunehmende Rolle. Die Keramik muss staubfrei sein (was in einem Keramikatelier selten der Fall ist) und es bietet sich an, auf bereits geschrühter Ware zu zeichnen, einfach aufgrund der Widerstandsfähigkeit dieser. Jedoch ist diese besonders saugfähig und lässt die Farben sofort einziehen, Schnelligkeit ist gefragt. Wenn den Farben auf der Keramik dann das Wasser fehlt, haben sie eine mehlige Konsistenz und sind empfindlich gegenüber Berührungen. Solange die handbemalte Keramik nicht ein zweites Mal geschrüht wurde, ist die Zeichnung sehr empfindlich und kann jedoch bei Bedarf mit Wasser wieder abgewaschen werden.  
Abschließend können die geschrühten, von Hand bemalten Keramiken mit einer Glasur überzogen werden. Der Glasurbrand ist der letzte Schritt auf dem Weg zur fertigen Keramik. Es ist jedoch nicht zwingend notwendig die bemalten Scherben zu glasieren, jedoch werden die Farben durch die Glasur um einiges leuchtender, da Engoben kein bzw. kaum Silizium besitzen. Die Keramiken leuchten und strahlen in den wildesten Farben und erfreuen jeden, der sie sieht. Malen ist und war immer eine menschliche Leidenschaft, zeichnen verbindet uns weltweit und jeder weiß es zu schätzen und um die Arbeit, die dort drinsteckt. Das einzige, was handbemalte Keramik von anderer Malerei unterscheidet ist die „Leinwand“. Es ist genau so aufwändig wie Ölmalerei und sie ist vor dem Brand mindestens genau so empfindlich wie eine Bleistiftkalligraphie. Bei handbemalter Keramik kommt noch erschwerend hinzu, dass die Farben vor dem Brand anders aussehen als nach dem Brand und man quasi blind zeichnet. Beispielsweise hat die Farbe kobaltblau vor dem Brand die Farbe flieder, es gibt aber auch die Farbe flieder und die sieht auch vor dem Brand aus wie flieder! Wie kommt das und woraus bestehen Engoben und moderne Farbkörper?
Engobe ist sehr feiner Ton, aufgrund dessen gibt es Engoben auch nur in erdigen Farben. Die leuchtenden Farben stammen von Farbkörpern, die in Wasser gelöst die Farben bzw. Glasur ergeben. Bei Farbkörpern handelt es sich um Pigmente, welche bereits einmal hoch gebrannt wurden. So benötigt man für die Farbe Chromgrün, wie der Name schon sagt, Chrom. Zur besseren Farbabmischung kommt meist noch Cobalt hinzu. In der Farbe Cobaltblau benötigt man Cobalt. Man merkt schnell, dass die Namen der Farben von ihren Elementen herrühren. Die genaue Zusammensetzung der jeweiligen Engoben ist ein streng gehütetes Geheimnis und niemand lässt sich dabei gern in die Karten schauen. Es kostet schließlich Zeit und Erfahrung, bis man den gewünschten Farbton erreicht hat. Gleichfalls ist ein gewisses Maß an Frustrationsresistenz von Vorteil damit die und Freude am Experiment nicht zu kurz kommt.

Schöne handbemalte Keramik gehört nicht unbedingt zum Repertoire eines  keramischen Ateliers und ist eine Leidenschaft, die Höhlenwand war irgendwann einfach voll.