Wir habens geschafft - Weihnachtsurlaub!

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Steinzeug, Steingut, Teracotta und Porzellan - Fast gleich, trotzdem völlig anders

Es klingt erst einmal gleich und beschreibt auch fast das Gleiche, aber eben nur fast. Ich würde gern noch Lehm, Gips, Kreide, Torf und Klinker bzw. Ziegel mit in die Beschreibung aufnehmen. Bei den Werkstoffen handelt es sich augenscheinlich um ein ähnliches Material, denn noch sind es völlig unterschiedliche Werkstoffe mit unterschiedlichsten Eigenschaften und Besonderheiten.

Was ist Ton?

Bei dem Werkstoff Ton handelt es sich im Allgemeinen um ein nicht-biologisches (= anorganisches) Gemisch verschiedenster Herkunft. Der von uns verwendete Ton ist im Laufe der Zeit aus der Verwitterung von Gestein, speziell von Feldspaten, entstanden. Die Witterung hat an ganzen Gebirgszügen genagt und so auch härtestes Gestein zu Kies, Sand oder eben Ton erodiert. Tonpartikel sind nicht größer als < 2 µm (= 0.000002 cm) und sehen unter dem Mikroskop wie kleine Schuppen oder Plättchen aus. Das ist auch der Grund, warum man Ton kneten muss vor der Verarbeitung: Die Schuppen müssen ausgerichtet werden, da es sonst beim Trocknen zu Spannungen innerhalb des Werkstückes kommt.
Ton begleitet die Menschheit seit mehr als 20.000 Jahren als Grundstoff zum Bauen und bei der künstlerischen Gestaltung. Als prominentestes Beispiel der Künste ist hier die Venus von Dolní Věstonice zu nennen - ihr Alter wird sogar auf 30.000 Jahre geschätzt!

Verschiedene Farben Ton im Tonstich

Wie passt Torf und Kreide da ins Bild?

Bei Torf hingegen handelt es sich um organisches Material und sei hier nur kurz am Rande und der Vollsändigkeit halber erwähnt. Torf aus der Verwitterung von Pflanzen und anderem lebenden Material entstanden. Es ist ein diffuses Materialgemisch eines gänzlich anderen Ursprungs als Ton und ist deswegen beispielsweise auch zum Heizen geeignet - Ton hingegen hält problemlos Temperaturen von 1.300 °C und mehr aus und ist nicht entzündlich. Dies ist auch einer der Gründe, warum man Ton bzw. Keramik noch heute gern als elektrischen Isolator benutzt. Im Gegensatz zu Plastik ist Ton nämlich nicht brennbar.

Die klassische weiße Kreide ist ein sehr feinkörniger, meist weißer oder hellgrauer Kalkstein und das Grundmaterial für Schreibkreide. Kreide besteht im Wesentlichen aus Calciumcarbonat und ist der Überrest aus Organismen der Kreidezeit. In der Kreide finden sich oft zahlreiche Reste größerer Organismen mit Kalkskelett, z. B. Schwämme, Muscheln und Kopffüßer. Große (ehemalige) Abbauprodukte dieses begehrten Naturproduktes gibt es auf der deutschen Ostseeinsel Rügen und den britischen weißen Klippen von Dover.

Okay, was ist mit Lehm und Gips?

Lehm ist, wie Ton, ein nicht-biologisches Gemisch. Er besteht aus Ton, Schluff und Sand. Je nach Standort und Einsatz wird der Lehm gebrannt zu Lehmziegeln oder ungebrannt zum Verputzen verwendet. Gebrannter Lehm ist witterungsbeständiger als ungebrannter Lehm, der sich mit Wasser problemlos wieder verflüssigen lässt. Aufgrund der geringeren Brenntemperatur ist gebrannter Lehm jedoch nicht so witterungsbeständig wie Ton. Im Orient wurden ganze Städte aus Lehm errichtet - aufgrund des seltenen Niederschlags ist er als Baumaterial bestens geeignet. Die Stadt Aït-Ben-Haddou in Marokko ist fast 1000 Jahre alt und fast vollständig aus Lehm gebaut.

Gips ist ebenfalls ein nicht-biologischer Werkstoff jdedoch ist er ein Reinstoff. Bei Gips handelt es sich um das sehr häufig vorkommendes Mineral Gipsspat (= Calciumsulfat). Im Allgemeinen ist Gips farblos oder weiß, er kann jedoch durch die von Beimengungen unterschiedlichster eine gelbliche, rötliche, graue oder braune Farbe annehmen. Reiner Gips, der thermologischen Prozessen unterworfen war, ist auch unter dem Kulturbegriff Alabaster bekannt. Das transparente Marienglas ist, wie die bekannten Sandrosen, eine weitere Varietät des Gipses.

#1
Quarzkristall

Steingut - Ein heißer Klumpen!

Der Steingut-Ton wird überwiegend in der Drehtöpferei eingesetzt. Aufgrund seiner Fettheit und dynamischen Formbarkeit ist er auf der Drehscheibe einfach zu bearbeiten. Gleichfalls ist dieser Drehton frei von Schamotte. Bei Schamotte handelt es sich um schon einmal gebrannten und zermahlenen Ton, der der Rohmasse beigemischt wird. Durch die Untermischung ist die Keramik stabiler, gerade für Aufbaukeramik ist dies ein wichtiger Aspekt. Die erhöhte Stabilität der Keramik lässt größere Objekte zu, ein üblicher Schamotteanteil in der Aufbaukeramik liegt bei 25-40% bei einer Korngröße bis zu 0.5 mm. Je höher der Schamottenanteil ist, umso eher eignet sich der Ton für Aufbauarbeiten. Große Aufbauten wie beispielsweise 1:1 Aktplastiken arbeiten mit einem Schamotteanteil von > 40 % und einer Korngröße um 1 mm. Den Steingut-Ton gibt es in unterschiedlichsten Farben und Schamottierungen.

Die Brenntemperatur von Steingut-Ton liegt zwischen 1.000 - 1.150 °C. Diese verhältnismäßig geringen Temperaturen reichen nicht aus, um das im Ton enthaltene Silikat vollständig auskristallisieren zu lassen. Der Ton bleibt nach dem Brennen überwiegend porös und ist aufgrund dessen nicht 100 %ig dicht. Für die Gebrauchskeramik ist die Dichtheit natürlich auch von Interesse. Nach kurzer Zeit werden die Keramiken durch die im Tee oder Wasser enthaltenen Schwebstoffe versinthert und nach einer Weile der Benutzung absolut wasserdicht. Um absolute Dichtheit zu erlangen, muss er mit einer Glasur bearbeitet werden.
Terrakotta-Keramik ist eine beliebte Form von Steingut-Ton. Da die meist roten Keramiken nicht dicht sind, kann im Winter Wasser in die offenen Poren eindringen und diese beim gefrieren sprengen. Im mediterranen Raum, wo diese Keramik ihren Ursprung hat, ist dies aufgrund der milden Winter kein Problem. In unseren Breitengraden hilft im Winter nur das Abdecken mit isolierendem Material oder am besten das Reinholen dieser Gefäße.

Steinzeug - des Tons höchstes Grad!

Der Steinzeug-Ton ist ebenfalls schamottiert und unschammotiert zu erhalten und einzusetzen. Der Ton ist jedoch weniger Fett und dadurch weniger formbar bzw. biegsam. In der Aufbaukeramik wird man das nicht merken, jedoch auch der Töpferscheibe. Durch den erhöhten Anteil an Silikatkristallen (im Prinzip Glas) lassen sich stark bauchige Gefäße nur mühsam fertigen. Die Masse ist weniger geschmeidig und lässt sich weniger gut verformen. Aber dieser erhöhte Anteil an Kristallen lässt den Ton deutlich höhere Temperaturen aushalten, ohne er dass seine Form einbüßt oder aufkocht. Steinzeug-Ton wird üblicher Weise bei zwischen 1.100 und 1.300 °C gebrannt. Bei Temperaturen jenseits der 1150 °C schmilzt das im Ton enthaltene Silikat aus und dichtet von innen heraus die Keramiken ab. Steinzeug-Keramiken benötigen nicht unbedingt eine Glasur. Eine weitere interessante Eigenschaft ist der Klang dieser Keramiken - er liegt sehr nah an Bronzeglocken und schwingt lange nach.

Keramik-Kartell - Steinzeug Teller
Gestapelte rohe Porzellan Schüsseln und Kannen

Porzellan - Das weiße Gold

Die eisenfreie Porzellanerde ist der reinste Ton, der in der Natur vorkommt. In der Natur kommen diese reinen Tonablagerungen nur sehr selten vor. Diese weiße Substanz wird, wie ihr Name sagt, unter anderem zur Herstellung von Porzellan verwendet. Beim Brennen wird diese Tonsorte sehr hart und glasig. Durch den geringen Anteil an Fremdmineralien und hohen Quarzanteil lässt sich dieser Werkstoff sehr hoch Brennen. Temperaturen von 1500 °C sind für Porzellan üblich und führen zu dem gewollten durchscheinenden Charakter. Anders als klassischer Ton wird Porzellan gegossen und nicht geformt. In den Gipsformen lassen sich problemlos 2-3 mm dünne Tassen herstellen - nur diese sind durchscheinend und erklären die historische Gier nach diesem Werkstoff. Theoretisch lässt sich Porzellan an der Drehscheibe verarbeiten, ist jedoch sehr mühsam und bringt bei weitem nicht so gute Resultate hervor. Durch den hohen Quarzanteil ist die Masse deutlich schlechter Formbar als Ton und erinnert in seiner Konsistenz eher an Kaugummi.

Die erste Verarbeitung dieser Rarität ist um die Zeitenwende zu datieren und wurde fortan immer weiter optimiert. Ab dem 15 Jahrhundert wurden Porzellankeramiken, primär Tafelgeschirr, im großen Stil von den Spanieren und Portugiesen nach Europa importiert. Dies war nötig, da die chinesischen Töpfer die Rezeptur lange geheim gehalten haben.
Im Januar 1708 gelang es Johann Friedrich Böttger und Ehrenfried Walther von Tschirnhaus in Dresden, das erste europäische Hartporzellan zu erzeugen - ein Durchbruch. Ab dieser Wiederentdeckung wurde, aufgrund der reichen Kaolinvorkommen in Nordbayern, Oberfranken, der Oberpfalz und Thüringen, in Deutschland konkurrenzfähiges Porzellan hergestellt. Kurze Zeit später wurden Manufakturen auch in anderen Teilen Europas gegründet und das Porzellan einer breiten Schicht von Menschen zugänglich.

... was ist mit Klinker und Ziegel?

Klinker und Ziegel ist seit ca. 500 Jahren in Deutschland ein gern zum Bauen verwendeter Stein und gehört zu den härteren Baumaterialien. Ganze Stadtteile Berlin und andere Städte wurden in der industiellen Revolution mit Klinkern regelreicht aus dem Boden gestampft. Er trotzt problemlos Hitze und Frost, ist preiswert und ist dabei noch ein guter Wärmeisolator. Für ihre Herstellung wird in der Regel kein reiner Ton verwendet. Der hat nämlich die Eigenschaft, dass er beim Trocknen stark schrumpft und durch den Brennprozess extrem hart wird. Meist ist er damit härter, als es sinnvoll ist - eine gewisse Elastizität ist von Vorteil. Für Ziegelprodukte wird der Ton aufgrund dessen meist mit verschiedenen Zusatzstoffen vermengt, durch die er die Eigenschaften erhält, die von den Herstellern gewünscht sind.

Klinker Ziegel